Accept - Z7 Pratteln 19.7.2015

 Mitten in der Open Air Saison, kurzfristig angekündigt, bei Traumwetter an einem Sonntag, verloren sich gerade mal ca. 500 Metaller ins heisse Z7 in Pratteln. Angekündigt hatte sich ein Flagschiff des Heavy Metal...Accept. Tags zuvor noch Headliner auf dem Bang your Head Festival, heute vor spärlicher Kulisse. Macht das Spass? Ja, Accept rockten den Club als stünde man vor 80 000 auf der Mainstage in Wacken. Der erste Part bestand zum grossen Teil aus Material der letzten 3 Alben mit Mark Tornillo. Dieser tritt immer mehr aus dem Schatten seines übermächtigen Vorgängers, dem "German Tank" Udo Dirkschneider. Mit seiner Reibeisenstimme irgendwo zwischen Udo und Brian Johnson röhrte der ehemalige TT Quick Sänger aus New Yersey souverän durch eine klasse Songauswahl, in deren Verlauf natürlich auch Klassiker wie "Princess of the Dawn, Fast as a Shark" oder "London Leatherboys" nicht fehlen durften. Und überhaupt, Accept wirken live als hätten sie den Jungbrunnen im heimigen Gartenteich. Wolf Hoffmann in Hochform, immer wieder zwischen abgefeuerten Riffbreitseiten und zuckersüssen Melodien, an seiner Seite das bassige Fundament eines Peter Baltes, der ebenfalls wirkte wie in den metallischen Zaubertrank gefallen. Der Mann am Soundboard passte sich der Klasse an und zauberte einen druckvollen, blitzsauberen Sound in die Sauna Z7. Das überschaubare Publikum dankte mit stetem Kopfschütteln und lautem Gesang, sogar Mädchen im sommerlichen Blumenkleid tanzten ekstatisch zwischen den Metalheads. Als dann "Metal Heart, Give em the Axe" und das obligatorische "Balls to the Wall" den Schlusspunkt einer grandiosen Show einläuteten, war jedem klar; Die Solinger Edelstahlschmiede hat noch lange nicht ausgedient und spielt so manche frechen Emporkömmlinge immer noch mit einem Lächeln an die Wand..."Balls to the Wall" eben.

The Answer - Kofmehl Solothurn 22.4.2015 

Die kleine Raumbar des Kofmehl war mit geschätzten 200 Nasen ordentlich gefüllt. Für heute Abend hatten sich die Nordiren "The Answer" im Kanton Solothurn angesagt. Um 21 Uhr stieg die Band ohne jeden Firlefanz auf die kleine Bühne um ein energiegeladenes, 1,5 stündiges Set abzuliefern. Mit ihrer Mischung aus Led Zeppelin, den Black Crowes und ein bisschen Krokus und AC/DC, einer guten Portion Blues und Southern Rock wurde schnell klar, die wenigen die kamen würden fürstlich belohnt werden. Cormac Neeson am Mikro erinnerte schwer an den Duracell-Hasen, hüpfte pausenlos über die Stage, ganz in seiner eigenen Rock`n`Roll Welt versunken. Mit seiner charismatischen Art, seiner bluesgeschwängerten Voice und seiner ehrlichen Performance, zog er das Publikum schnell auf seine Seite. Die Rhythm Sektion Waters/Heatley legte ein präzises Fundament, den perfekten Groove für das Virtuose Gitarrenspiel Paul Mahon`s. Der druckvolle, saubere Sound tat sein übriges, ein Lob an den Tastenschieber. Die Band spielte einen gelungenen Querschnitt aus ihren bisherigen Alben und man hätte ihnen noch lange beim musizieren zusehen und hören können, denn genau das kann diese Band: MUSIK MACHEN! Wenn The Answer das bekommen werden, was sie verdienen, dann sollte die "Raumbar" schon auf der nächsten Tour gegen eine ausverkaufte "grosse Halle" Kofmehl getauscht sein. Wie schrieb der "Kerrang": "The Answer are Superstars already; it`d be cruel not to make their dreams come true...". Gut gebrüllt Löwe.... .

(vor Ort: Oliver Rix)


In This Moment - Kofmehl Solothurn/CH 18.2.2015

Das Kofmehl war voll und in gespannter Erwartung. Die US-Band In this Moment hatte sich angesagt zu ihrer einzigen Show in der Schweiz. Mit etwa 40 Minuten Verspätung ertönte dann das Intro "Cry little Sister" aus dem 80er Vampirstreifen "The Lost Boys". Als der Vorhang fiel begann die Show einer Band der Gegensätze. Maria Brink in ständig wechselnden Kostümen, als Lady Gaga des Metal, mal Vamp mit ihren Tänzerinnen zu Füssen, mal alleine auf einem Stuhl betörend mit Wind in der blonden Mähne im aufsteigenden, künstlichen Nebel, mit grosser Stimme balladeskes intonierend. Und dann diese Band: Wie direkt aus den tiefen Tolkiens Mordor entsprungen, die Definition von "Die Schöne und das Biest". Die Band liefert ein tightes Fundament für ihre Dramaqueen-Sängerin welche die Blicke des Publikums magisch anzieht. Welches Potential in ihrer Band steckt, welch unglaubliche Heaviness, dürfen die finsteren Jungs in der Mitte des Sets unter Beweis stellen, als Maria Brink 10 Minuten die Stage verlässt und ihre Combo furios "For Whom The Bells Tolls" von Metallica instrumental ins Publikum peitscht. Klasse. Danach geht es weiter mit der Mischung aus Metalcore, Heavy und NuMetal mit Popanleihen und wie bereits erwähnt, immer ein bisschen Lady Gaga meets Marilyn Manson oder Korn meets Madonna . Das Publikum mags, für das kleine Kofmehl in Solothurn eine grosse Show à la Las Vegas. Aber irgendwie beschleicht mich ein ähnliches Gefühl wie vor wenigen Wochen an gleicher Stelle bei Asking Alexandria: Eine Band der die Zukunft gehören könnte, wenn man nicht das Gefühl hätte das dieser Sänger der über allem thront, in Kürze alleine auf der Bühne stehen möchte. Danny stieg kurz danach aus...und auch bei der weiss-pinken Elfenkönigin fragt man sich, wann sie ihre Höllenhunde in die Feuer des dunklen Berges stösst....es wäre ein Fehler Maria.

Fotos/Text: Oliver Rix

10. Greenfield Festival in Interlaken / Schweiz 

(vor Ort: Oliver Rix)

Es ist vorbei. Das 10. Greenfield-Jubiläums Festival in Interlaken endete Sonntagmorgen. Begonnen hatte alles am Donnerstag, als die Alphornbläser die Freunde harter Musik zur Bühne lockten und die Reihen sich langsam füllten. Und noch lachte die Sonne über dem Berner Oberland als Talco, die Donots und Zebrahead die Meute langsam in Tanzlaune versetzten. Mit Bring me the Horizon enterte der erste Höhepunkt die Bühne und die Jungs aus Sheffield feuerten dann auch brachial ihren Metalcore ins Publikum, harte Riffs, coole Breakdowns, tiefe Growls und Cleargesangparts, alles was diese Stilrichtung ausmacht in Perfektion mit viel Bewegung auf der Bühne und vor der gut gefüllten MainStage. Klasse. Die folgenden Gogol Bordell wollten sich mir mit ihrer Mischung aus Punk, Dub und Roma Musik nicht wirklich erschliessen, auch nicht das sie zu dieser attraktiven Zeit einen Platz auf der Centerstage hatten, aber es gab einige gutgelaunte im Publikum. Nach den New Yorkern füllte sich langsam der Bereich vor der Hauptbühne, bis fast jeder Greenfield Besucher erwartungsvoll und gespannt auf das Intro des ersten Headliners wartete. Linkin Park. Und alle die die Band abgeschrieben hatten, sahen sich getäuscht. Die Truppe lieferte einen energiegeladenen Gig der sich gewaschen hatte, stieg nach The Fatalist/Requiem mutig mit einem neuen Song, Guilty all the same ein um dann bravourös unterstützt von einer klasse Lightshow sämtliche Hits und Klassiker abzubrennen. Points of Authority, One step closer, Papercut, Castle of Glass und ein Medley aus Leave out all the Rest /Shadow of the day und Iridescent forderten dem Publikum alles ab. Selbst neue Songs wie Wastelands oder Until it`s gone fügten sich nahtlos zwischen Songs wie Numb, Waiting for the End oder Burn it down ein. Und als die Band um Chester Bennington und Mike Shinoda die Bühne nach Bleed it out verlässt, steht der erste Sieger fest. Linkin Park sind eindrucksvoll zurückgekehrt.

Am 2. Tag sind Breakdown of Sanity aus der Schweiz ein erster Lichtblick und die Lokalmatadore erfreuen die Metalcore Fans. Dann entern Ghost die Bühne. Die Schweden in Mönchskutten mit Gesichtsmaske und ihr als Papst gekleideter Sänger sind im gleissenden Sonnenschein ein leicht bizarrer Anblick aber auch irgendwie interessant. Die Jungs deren Identitäten nicht bekannt sind, sich alle "A Nameless Ghoul "nennen während ihr Sänger sich "Papa Eremitus I." schimpft, sind eine tighte Einheit und irgendwie bleibt ihr Illuminati Metal im Gehör hängen, gut aber sicher viel besser im Club. Die Metalcore Amis We came as Romans waren die nächsten auf der Stage. Mit David Stephens dem Main-Singer und hauptsächlich für die harten Vocals und Growls zuständig, hat die Band einen exzellenten Frontmann an Bord. Die clearen Gesangsparts von  Kyle Pavone hingegen hinterlassen live einen zwiespältigen Eindruck, liegt dieser doch tonal öfters neben der Spur. Trotzdem guter Metalcore.  Trivium sind die ersten die den Platz vor der Mainstage richtig füllen können und beweisen, warum sie bereits viele Festivals headlinen. Die Band die sich irgendwie zwischen Metalcore, Epic Metal und Metallica bewegt spielt einen tollen Set mit ihren harten und doch eingängigen Songs und die Jungs aus Florida werden ordentlich abgefeiert. Und dann kam er: Der grosse Regen. Während die Broilers gerade anfingen Spass zu machen und das Publikum auf ihre Seite zu ziehen, setzten Starkregen und Hagel ein. Nur die verwegensten hielt es vor der Bühne während sich das Gros in Sicherheit flüchtete. Als dann das beliebte Jack Daniels Zelt einstürzte und sich der Platz vor der Bühne in eine Schlammwüste wandelte, mussten die Broilers cirka15 Minuten unterbrechen. Als der Weltuntergang dann doch noch verschoben schien und es nur "normal" weiter regnete, startete die Deutschpunkband den zweiten Teil ihrer Show und bekamen von den folgenden Sabaton noch etwas Zeit geschenkt, dem Publikum gefiel es. Und Sabaton? Die Schweden hatten die Menge von Beginn an im Griff, stellten schnell Kontakt zum Publikum her und brachten sie zum mitsingen, klatschen und headbangen. Ihr True Metal kam ehrlich und die Band bodenständig rüber und so konnten die Nordmänner selbst die sehr guten Trivium noch leicht hinter sich lassen. Der Boden war also bereitet für Iron Maiden. Mittlerweile Mitte 50 und seit 30 Jahren auf dem Metalthron starteten die Jungfrauen mit dem Intro Doctor Doctor bevor man mit Moonchild die Bühne enterte. Weiter ging es mit Can I play with Madness und dem überraschenden The Prisoner. Und die Band sprühte vor fast jugendlicher Spielfreude, Dickinson rannte wie ein junges Reh über die Bühne und an Steve Harris scheint die Zeit eh spurlos vorüber gegangen zu sein. Die Bühnenshow, bestehend aus imposanter Lightshow, Pyros und übergrossen Eddie`s zog in ihren Bann und die 3 Gitarreros schossen ein klasse Soli nach dem nächsten in die tobende Menge.Revelations, The Trooper, Run to the Hills, Fear of the Dark, Wasted Years oder Ace's High waren nur einige der unsterblichen Klassiker des Metal, die an diesem Abend lautstark mitgegrölt wurden.Und als Sanctuary das Set beendete, hatte Bruce gefühlt zum 100.mal Frisur und Habitus gewechselt, je oller je doller.Aber eines steht fest: Der Thron des  reinen Heavy Metal`s ist noch einige Jahre in fester Hand, trotz hoffnungsvoller Kronprinzen wie Trivium oder Sabaton. Up the Irons. Und wer immer noch nicht genug hatte bekam auf der Mainstage im Anschluss noch ein sattes Hardcore Brett von Hatebreed geboten. Was für ein Tag auf dem, wie Bruce Dickinson dem weichen Untergrund gewidmet sagte...Shitfield. Und für die meisten war duschen mehr als angesagt, den das Schlammsurfen hatte deutliche Spuren hinterlassen.

Tag 3 stand weiterhin im Zeichen einer launischen Wettergöttin und bescherte den gesäuberten Fans gepflegter harter Musik weitere Abenteuer mit Schlammspritzern und kompletter Durchnässung. Und nach guten Gigs von Clutch und den wiedererstarkten Sepultura enterten die etwas deplatziert wirkenden Deutsch Pop Rocker Madsen die Bühne. Die Clubstage wäre hier sicher angebrachter gewesen als die Centerstage. Saltatio Mortis durften dann ihr Mittelalter Set zur besten Zeit vor dem Headliner spielen und waren eine respektable Vertretung für In Extremo, die Greenfield abgesagt hatten. Ein zwischenzeitlicher Besuch bei Silverstein auf der Clubstage erwies sich als Glücksfall, die sympathischen Kanadier spielten ein klasse Set vor gut gefüllter Bühne. Die Mischung aus Metalcore typischen Growls und vielen melodischen Cleargesang Passagen funktionierte richtig klasse bei einigen Songs mit Hitpotential wie "Massachussetts". Und dann kamen Soundgarden. Die Grunge Legende um Chris Cornell zog deutlich weniger Publikum vor die Centerstage als es Linkin Park und Iron Maiden vermochten. Gerade dem überwiegend jüngerem Publikum schien kaum bekannt das diese Band, zusammen mit Nirvana und Pearl Jam den Hairmetal der Endachtziger mit wenigen rotzigen Riffs aus den grossen Stadien zurück in die Clubs fegte und eine neue Ära einleiteten. Aber die mittlerweile roundabout 50 jährigen Legenden scheinen weit entfernt von ihrem Publikum zu spielen und konnten (wollten) kaum Kontakt herstellen. Einige eingefleischte Fans mitten in der Crowd machten sich zwar bemerkbar, jedoch konnten Soundgarden sich nicht messen mit den Headlinern der ersten beiden Tage. Black Hole Sun schien dann doch einigen aus dem Radio bekannt, Outshined oder Rusty Cage aber schon kaum noch und so spielten Soundgarden ein solides Set, wirkten manchmal gelangweilt und nur Cornell himself schien zu versuchen das Ruder ein wenig rumzureissen. Schade. Sabaton oder Trivium wären sicher die bessere Wahl gewesen als abschliessender Headliner. Die Schweizer Eluveitie durften danach noch ran um das Licht auszumachen und obwohl ich sie nicht mehr sah bin ich sicher, die Stimmung toppte die bei Soundgarden. 

Das Jubiläums Greenfield war insgesamt seinem Ruf als Mekka der harten Musik in der Schweiz würdig. Klasse Bands vor einmaliger Kulisse und wenn man nun noch im nächsten Jahr einen besseren Draht zur Wettergöttin findet und vielleicht mal ein wenig am Sound arbeitet, können wir uns freuen auf Greenfield 2015.


Die Ruhe vor dem Sturm